
Stoffe haben ihre Persönlichkeit!
Jeder eine andere: Haptik, Optik, Gewicht, Faser, Farbe, Assoziationen, alles spielt eine Rolle.
In meinen Objekten stelle ich oft das Material selbst in den Mittelpunkt. Die Stoffe sind nicht nur Mittel zum Zweck, um Menschen einzuhüllen oder Sofas zu beziehen. Sie werden selbst in ihrer Materialität in Szene gesetzt!
Je nach Projekt, verwende ich für meine Textilobjekte unterschiedliche Ausgangsmaterialien:
Meist Deadstock-Stoffe, das sind zum Beispiel Restbestände aus der Stoffballenproduktion, die aus der Mode gekommen sind oder in der Menge zu gering, um noch klassisch vermarktet werden zu können. Die nehme ich vor allem gerne, wenn es sich um Kunstfasergewebe handelt, die für plissierte Teile besonders geeignet sind.
Auch auf Flohmärkten finden sich Textilien, meist für kleine Objekte.
Werden neue Stoffe benützt, lege ich Wert auf menschen- und umweltfreundliche Herkunft. Am liebsten mit Regionalbezug.
Manchmal stehen am Anfang des künstlerischen Prozesses auch Ausgangsmaterialien, die bereits eine eigene Geschichte mitbringen: zum Beispiel das Hochzeitskleid der Großmutter, das gebrauchte Blauzeug des Firmengründers, ein Bettlaken aus einem Lazarett oder die alten, von Gebrauchsspuren gezeichneten Sitzbezüge eines altwiener Cafés.

Jedes Textilobjekt hat positiven Einfluss auf die Raumakustik
Stoffe in einem Raum, absorbieren Schallwellen! Wie groß der Effekt ist, resultiert aus Material, Oberfläche, Größe und Position im Raum. Dies kann ganz bewusst eingesetzt werden, um ein angenehm gedämpftes akustisches Raumklima zu erzeugen. Manche meiner Objekte und Bilder sind dazu ganz besonders geeignet.
Techniken
Meist arbeite ich dreidimensional. Ich mag es, wenn ich meine handwerkliche und technische Erfahrung einsetzen kann und muss, um eine künstlerische Vision ins Reale zu übertragen!


Pleating: Die alte Technik des händischen Plissierens habe ich vor einigen Jahren entdeckt und findet sich immer wieder in meinen Werken. Mit Hilfe von selbst hergestellten Schablonen und feuchter Hitze, wird dabei der Stoff in dauerhafte Faltungen, Knicke und Formen gebracht. Heute wird diese zeitaufwendige und anspruchsvolle Technik der Oberflächenmanipulation nur mehr von sehr wenigen Plissier-Ateliers, hauptsächlich für die Haute Couture, praktiziert.
Entgegen der üblichen Einsatzweise in der Mode, plissiere ich auch sehr dicke Materialien, wie Möbelstoffe, was faszinierende Ergebnisse möglich macht. Das hat mir den Beinamen „Madame Plissee“ eingebracht.
Brauche ich ganz bestimmte Farbtöne, Farbverläufe oder Farbeffekte, färbe ich die Ausgangsmaterialien selbst.
Ergänzend wende ich Siebdruck an.
Verschiedene Techniken und Erfahrungen aus der Schneiderei kommen fast immer zum Einsatz, dazu andere textile Arbeitsverfahren, wie etwa sticken oder weben.
Und dann … gibt es noch viele andere Dinge, die brauchbar sind, zum Beispiel 3D-Druck oder Holzverarbeitung.

Fotografie: Das besondere Zusammenspiel von Licht und Umgebung mit plissierten Stoffen oder Kunstobjekten, halte ich gerne mit der Kamera fest. Daraus ergibt sich eine eigenständige Ästhetik.
Ganz persönliche „Stoffgeschichten“

Feines gleichmäßiges, graues, knitterfreies Gewebe oder altmodische geometrische kleine Muster erinnert mich an die Röcke meiner Oma, auf deren Schoß ich mich richtig wohl und geborgen gefühlt habe. Er erinnert mich an Beständigkeit, Genügsamkeit und menschliche Wärme. Da darf man ruhig die Kunstfaser dabei etwas spüren, das stört mich dann nicht.
Gelblich-goldener Schnürlsamt ruft den Geruch unseres Sofas meiner Kindheit in Erinnerung, mit den aufgebrochenen Kunstlederarmlehnen, an den Sitzflächen war es abgewetzt. Wenn ich krank war, war ich von dort aus mit einem Kindertelefon mit langem Kabel mit der Küche verbunden. Essigpatscherlgeruch liegt in der Luft.
Strickstoff in kräftigen Farben mit Kunstfaseranteil, das Material der Pullover meiner Kindheit, erzeugt bei mir Schauer, der über den ganzen Rücken läuft, weil ich automatisch dran denken muss, wie es sich anspürt, solche Stoffe in langweiligen Schulstunden zwischen den Zähnen zu knirschen.
Edle Naturfaserstoffe, wie Loden, erinnern mich an die Ehrfurcht meiner Mutter, die Schneiderin war, wenn sie mit Kennergriff solch einen Stoff im Geschäft ertastete.
Mein gesticktes Kleid, dass mich an eine wohlige Decke erinnert, ziehe ich dann an, wenn ein herausfordernder Tag auf mich wartet.